Anker der Identität – Kirchen und Klöster
Die Benediktinerabtei in Tholey
Die Benediktinerabtei und der Alte Turm in Mettlach
Die Klosterruine Wörschweiler
Die Klosterruine Gräfinthal
Die Wendalinusbasilika in St. Wendel
Die Schlosskirche in Blieskastel
Die Stephanuskirche in Böckweiler
Die Bergbaukirche St. Hildegard in St. Ingbert
Die Schinkelkirche in Bischmisheim
Die Stiftskirche St. Arnual
Die Ludwigskirche in Alt-Saarbrücken
Die Basilika St. Johann in Saarbrücken
Die Pfarrkirche St. Albert in Saarbrücken
Die Pfarrkirche St. Peter in Merzig
Die Benediktinerabtei in Tholey
Im nördlichen Saarland hinterließen bereits Kelten und Römer ihre Spuren, wie römische Siedlungsreste um Tholey und aktuelle Ausgrabungen im Wareswald belegen. Auch das Benediktinerkloster und die Kirche des Hl. Mauritius stehen auf geschichtsträchtigem Boden: Anfang des 7. Jahrhunderts wird eine rechteckige Kirchenanlage erbaut, wobei Reste einer römischen Badeanlage in den Kirchenbau einfließen. Diese Kirche wird erstmals im Jahre 634 im Testament des fränkischen Adeligen Adalgisel Grimo erwähnt.
Um 750 wird die Kirche durch eine rechteckige Choranlage erweitert. Vermutlich beginnt um diese Zeit das benediktinische Klosterleben in Tholey.
Der Baubeginn der heutigen Abteikirche ist auf das Jahr 1264 datiert. Um 1302 ist das Bauwerk vollendet und dient als Abtei und Wallfahrtskirche. Der frühgotische Bau besteht aus drei Längsschiffen mit sechs Jochen, ein Querschiff fehlt. Der mächtige Westturm prägt heute noch das Ortsbild. In Anlehnung an den Besitzverzicht der Mönche wurde auch bei der Gestaltung der Kirche auf aufwendige Bauzier verzichtet.
Während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges wurde die Abtei von Brand und Plünderung heimgesucht; dies gab Anlass für weitere Bauarbeiten an den Klostergebäuden. Ende des 15. Jahrhunderts trat die Abtei Tholey der Bursfelder Kongregation bei und erlebte eine Blütezeit, in der auch die Kirche mit barocken Elementen wie der Turmhaube und der Orgelbühne ausgestattet wurde. Nach den Plänen des Architekten Pierre le Noir (1722–1725) entstand das neue Dormitorium. Im Zuge der Französischen Revolution fand das monastische Leben 1794 in Tholey ein Ende. Die Abtei wurde aufgehoben, Kirche und Abteigebäude versteigert.
1806 kaufte ein Tholeyer Bürger die noch erhaltenen Gebäude des Klosters und schenkte sie der Gemeinde. Am 8.2.1949 wurde die Abtei durch Papst Pius XII. wieder errichtet und von Mönchen des Ordens St. Matthias in Trier unter der Leitung von Abt Dr. Petrus Borne 1950 neu besiedelt. 1976 wurde dieser in einem Bodengrab in der Kirche bestattet.
Heute leben hier etwas mehr als ein Dutzend Benediktiner und laden dazu ein, ein paar Tage in kontemplativer Ruhe im Kloster zu verbringen.
Text:
Tanja Kaiser
Fotos:
Juan Manuel Wagner
Weiterführende Literatur:
REICHERT, Franz-Josef (1961): Die Baugeschichte der Benediktiner-Abteikirche Tholey. Saarbrücken. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 3). zum Online-Shop
REICHERT, Franz-Josef (1987): Die Benediktinerabtei St. Mauritius zu Tholey. Neuss. (= Rheinische Kunststätten, Heft 321).
Die Benediktinerabtei und der Alte Turm in Mettlach
Bereits im Jahre 676 gründete der fränkische Herzog Lutwinus, später Erzbischof von Trier, die Benediktinerabtei Mettlach. Über das Aussehen der mittelalterlichen Klostergebäude ist nichts bekannt; der Baubeginn für das heutige Abteigebäude wird
etwa auf 1727 unter Abt Ferdinand de Koeler datiert. Der barocke, 112 m lange Westflügel wird von zwei dreiachsigen Pavillons flankiert und mittig durch einen vortretenden Pavillon betont. Durch seine Uferlage an der Saar erreichte der barocke Baumeister Christian Kretschmar eine eindrucksvolle Spiegelung im Wasser. In diesem „Saarflügel“ befanden sich der Kapitelsaal und die Wohnung des Abtes sowie das Refektorium, dessen aufwendige Stuckdecke sowohl nach dem Brand 1921 als auch nach dem Krieg behutsam restauriert wurde. Im Nordflügel hat der Abtsaal mit dem prachtvollen Kamin seine barocke Ausstattung behalten.
1792 flüchteten die Mönche vor den französischen Revolutionsheeren nach Trier; zwei Jahre später wurde das Kloster geplündert, der Konvent aufgelöst. Der französische Staat beschlagnahmte die Klostergebäude. 1809 kaufte Jean Francois Boch-Buschmann die Abteigebäude und richtete dort eine Keramikfabrik ein, die sich schnell zu einem Weltunternehmen entwickelte. Die ehemalige Benediktinerabtei ist heute noch Sitz der Generaldirektion des Unternehmens Villeroy & Boch AG.
Anscheinend zu Ehren des Gründers der Abtei, dem Hl. Lutwinus, errichtete Abt Lioffin um 990 eine Grabkirche. Dieser „Alte Turm“ ist der älteste erhaltene Sakralbau im Saarland. Er wurde als oktogonaler Zentralbau mit sechs halbrunden Nischen erbaut. Im Jahre 1247 wurde ein Wendeltreppenhaus angebaut. Umsichtige Restaurierungsarbeiten im 19. Jahrhundert erhielten dem Bau seine Würde.
Der südliche Bereich des barocken Klostergartens wurde ab etwa 1840 in einen Englischen Park umgewandelt. Neben seinem historischen Baumbestand, dem „Alten Turm“ und dem Langweiher, hat der Park zahlreiche Fragmente aus dem Kreuzgang, Sarkophage und Kapitelle aufzuweisen.
Text:
Tanja Kaiser
Fotos:
Jens Falk
Weiterführende Literatur:
JACOBS, Ingrid (1995): Die Benediktinerabtei in Mettlach. Christian Kretzschmar, Steinhauer und Baumeister des 18. Jahrhunderts in Kurtrier. Saarbrücken.
KLEWITZ, Martin (1977): Mettlach. Ehemalige Benediktinerabtei. München.
SCHMAL, Hildegard (2000): Die Gründung des Klosters Mettlach und der „Alte Turm“. Köln.
Die Klosterruine Wörschweiler
Die Klosterruine Wörschweiler gehört zu den meistfotografierten und zeichnerisch festgehaltenen Sehenswürdigkeiten im Saarpfalz-Kreis. Das Plateau, auf dem das Kloster angelegt wurde, liegt auf einem Bergsporn oberhalb des Bliestals und wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts vom Grafen Friedrich I. von Saarwerden für die Gründung eines Benediktinerpriorats ausgewählt. Die später dort errichtete Zisterzienserabtei war im Mittelalter die einzige ihrer Art im Gebiet des heutigen Saarlandes. Ausgrabungen geben Grund zu der Annahme, dass dieser Ort schon zu römischer Zeit als Kultstätte gedient hat.
Die Benediktinermönche, die zunächst auf dem Klosterberg angesiedelt wurden, hatten sich offensichtlich von ihrer Ordensregel „Ora et labora“ („Bete und arbeite“) allzu weit entfernt und wurden recht bald durch Zisterziensermönche ersetzt. Ein Ausbau des benediktinischen Gründungsbaus zu einer Zisterzienserabtei erfolgte im Jahr 1170. Die Klosteranlage diente als letzte Ruhestätte des Saarwerdener Adelsgeschlechts, wovon die noch erhaltenen Grabplatten zeugen.
Der Konvent wurde nach der Reformation aufgelöst. Im Jahr 1614 fiel der leer stehende Bau einem Brand zum Opfer. Danach geriet das ehemalige Kloster in Vergessenheit und wurde von der Natur zurückerobert.
In den 50er-Jahren durchgeführte Ausgrabungen brachten Mauerreste aus verschiedenen Epochen zu Tage. Die Architektur der Zisterzienserabtei hatte ihre Vorbilder im spätromanisch-frühgotischen Stil burgundischer Klöster. Die Größe und der Charakter der ehemaligen Klosteranlage lassen sich heute nur noch anhand der in Teilen erhaltenen Westfassade erahnen.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erwarb die Familie Lilier das Gelände um den Klosterberg und erweckte das Kloster aus seinem Dornröschenschlaf. Die Klosterruine wurde mit viel Engagement der Familie Lilier wieder freigelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So steht die Klosterruine nicht allein für das transzendente Empfinden des Adels im Mittelalter und den zeitgenössischen Klosterbaustil der Zisterzienser im 12. Jahrhundert, sondern auch für ein großes Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit bedeutenden Kulturgütern in Privatbesitz.
Text:
Frank Ehrmantraut
Foto:
Olaf Kühne
Weiterführende Literatur:
KREIS- UND UNIVERSITÄTSSTADT HOMBURG (SAAR) / VERKEHRSVEREIN UND HISTORISCHER VEREIN HOMBURG (Hrsg.) (1982): Kloster Wörschweiler 1131–1981. Homburg.
Die Klosterruine Gräfinthal
Die Geschichte des Klosters steht in Zusammenhang mit der „Pfeilen-Madonna“, einem Muttergottesbild, das Überlieferungen nach von Frevlern mit Pfeilen beschossen wurde, worauf hin Blut aus dem Marienbild floss, welches einem Blinden, der sich damit wusch, sein Sehvermögen zurückgab. Auch Gräfin Elisabeth von Blieskastel soll damit ein Augenleiden geheilt haben und gründete aus Dankbarkeit etwa zwischen 1240 und 1260 das Kloster Gräfinthal; sie selbst wurde 1273 dort beigesetzt.
Das Kloster wurde einem damals jungen Orden, den Wilhelmiten, anvertraut. Dieser Reformzweig der Benediktiner hatte Eremitentum, Buße, Seelsorge, Krankenpflege und eine ausgeprägte Marienverehrung als Leitbilder.
Im Laufe des Mittelalters wurde das Kloster mehrfach von Zerstörungen und Bränden heimgesucht. Im Dreißigjährigen Krieg zogen zwei Brände die Gebäude schwer in Mitleidenschaft. Unter dem Mäzenatentum des seit 1714 in Zweibrücken lebenden Polenkönigs Stanislaus blühte das Ordenshaus zu Beginn des 18. Jahrhunderts wieder auf, neue Bauten entstanden. Das Wilhelmitenkloster war zudem aufgrund seines Seelsorgeauftrages und der Marienverehrung ein beliebter Wallfahrtsort.
Wegen beginnendem Verfall der Gebäude und Konflikten innerhalb des Konventes wurde Gräfinthal als letztes Wilhelmitenkloster auf deutschem Boden 1785/86 auf Initiative der Blieskasteler Gräfin Marianne von der Leyen von Papst Clemens XIV. aufgelöst. Die verbliebenen Mönche siedelten nach Blieskastel um. Schon 1786 begann man mit dem Abriss der Gebäude. 1803 wurden die restlichen Klostergüter in der Folge der Französischen Revolution versteigert. Jean-Baptiste Mathieu, der spätere Bürgermeister von Saargemünd, kaufte die Bauten in Gräfinthal und errichtete schließlich 1809 die heute noch vorhandene Kapelle im Chorraum der Kirche, in der er 1842 beigesetzt wurde.
Seit 1993 erfolgt eine Wiederansiedlung von niederländischen Benediktinermönchen in Gräfinthal. In den Jahren 1994 bis 1996 fanden archäologische Ausgrabungsarbeiten im ehemaligen Konventbereich des Klosters statt.
Text:
Tanja Kaiser
Fotos:
Olaf Kühne
Weiterführende Literatur:
MAYER, Alfred (1990): Gräfinthal, ein Wilhelmitenkloster im Bliesgau. Homburg.
Die Wendalinusbasilika in St. Wendel
Das Stadtbild St. Wendels wird von der überragenden Dreiturmgruppe des „Wendelsdomes“, wie die Kirche im Volksmund genannt wird, geprägt. Den Mittelturm ziert ein Laternenhelm, der von den Spitzen der Seitentürme flankiert wird.
Das Strebewerk der spätgotischen Kirche tritt nur wenig vor die Außenmauern und gibt ihr ein schlankes, aufstrebendes Erscheinungsbild. Den Abschluss der Strebepfeiler bildet eine Fiale mit reich verzierter Kreuzblume.
Der Spitzbogen des Westportals wird ebenfalls von einer mächtigen Kreuzblume gekrönt und von einem formenreichen Wimperg (giebelartige Bekrönung über einem Portal oder Fenster) betont. In die 1465 angebaute südliche Vorhalle sind Epitaphien eingelassen.
Das dreischiffige Langhaus wird durch rostrote, kapitelllose Rundstützen geteilt, die das Netzgewölbe tragen; ein Querhaus fehlt. Die 1960 und 1980 freigelegten Gewölbemalereien im nur leicht überhöhten Mittelschiff lassen sich auf Grund der Wappen auf das Jahr 1464 festlegen. Unter ihnen ist auch das Krebswappen des Stifters Kardinal Nikolaus von Kues, das auch auf der Kanzel, der zweitältesten Steinkanzel Deutschlands, zu finden ist. Begonnen wurde der Bau mit der Errichtung des Chores, der 1390 geweiht und als selbstständige Kirche genutzt wurde. Die Mitte des 15. Jahrhunderts fertiggestellte Kirche blieb in keinem Jahrhundert von Bau- und Renovierungsarbeiten verschont. Zur 600-Jahr-Feier wurde die Kirche an Pfingsten 1960 zur „basilica minor“ erhoben.
Im Chorhaupt steht das Hochgrab mit dem Reliquiensarkophag aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts; unter ihm ziehen die Pilger bei ihrer Prozession hindurch. Die mit Steinbildern der Apostel verzierte Tumba in der Chormitte (etwa um 1360–1370) dient als Schautisch. Ein weiteres bedeutendes Kunstwerk der Kirche ist das Heilige Grab in einer Maßwerknische an der Nordostecke des Chores; die acht Terrakottafiguren aus der Zeit um 1480 wurden von Übermalungen befreit und sind in ihren ursprünglichen Farben zu sehen. An den Wänden der Seitenschiffe stehen die Barockfiguren der Zunftpatrone aus dem 18. Jahrhundert. Das aus Trier stammende Chorgestühl aus der gleichen Epoche zeigt kunstvolle Holzintarsien.
Text:
Tanja Kaiser
Foto:
Landesbildstelle Saarland im Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM), Mechthild Schneider
Weiterführende Literatur:
SCHWINDEN, Nikolaus (1960): Grab- und Wallfahrtsheiligtum St. Wendalin in St. Wendel. St. Wendel.
Die Schlosskirche in Blieskastel
Im Jahr 1775 wurde auf Anregung des Reichsgrafen Franz Carl von der Leyen (1736–1775) in der Residenzstadt Blieskastel ein Kloster der Franziskaner-Rekollekten der Rheinischen Provinz gegründet. Die Grundsteinlegung der Klosterkirche auf dem Blieskasteler Schlossberg erfolgte am 3. Juni 1776. Bereits zwei Jahre später konnte diese zu Ehren der heiligen Mutter Anna und des Apostels Philippus eingeweiht werden. Den Auftrag zum Bau der Klosterkirche erhielt Peter Reheis, ein Schüler Friedrich Joachim Stengels, dem Architekten der Saarbrücker Ludwigskirche. Die Klosterkirche thront über der Altstadt von Blieskastel und steht heute unter Denkmalschutz. Sie ist dem Bautyp nach eigentlich keine Schloss- oder Hofkirche. Die gängige Bezeichnung „Schlosskirche“ ist somit nicht ganz korrekt, der Terminus blieb dennoch bestehen.
Die Franziskaner-Klosterkirche ist ein frühklassizistischer Saalbau (bei den Bettelordenskirchen des 17. und 18. Jahrhunderts wurde der Saalbautyp bevorzugt) mit spätbarocken Elementen, wodurch die Verehrung Reheis’ für den fürstlichen Baumeister Stengel zum Ausdruck kommt. Der Baukörper besitzt in der West-Ost-Ausrichtung drei Achsen, in der Nord-Süd-Ausrichtung zur Straße hin fünf Fensterachsen. Die Kirche schließt im Osten mit eingezogenem Chor auf polygonalem Grundriss ab.
Zwar ist der Saalbau schlicht und trägt als typische Bettelordenskirche statt eines Turms nur zwei unterschiedlich hohe Dachreiter, die Schaufassade hingegen weist jedoch auf das höfische Repräsentationsbedürfnis hin.
Die Westfassade gilt als prunkvollstes Bauelement der Schlosskirche und die Rezeption italienischer Kirchenfassaden des 17. Jahrhunderts ist hier unverkennbar. Die Schauwand wird vom Eingangsportal und der aufwendigen Giebelarchitektur dominiert. Die Gliederung erfolgt durch Pilaster (Wandpfeiler) und teilt das untere Geschoss in eine Portalachse im Zentrum und je eine Seitenachse. Das Portal wird von gedoppelten toskanischen Säulen flankiert und von einem Dreiecksgiebel mit Relief des „Auge Gottes“ bekrönt. Über dem Giebelfeld ist ein Rundfenster eingelassen, das von zwei Vasen mit Portraitmedaillons von Franz Carl von der Leyen und seinem Sohn Philipp Franz begleitet wird. In den Seitenachsen befinden sich im unteren Bereich hochovale Fenster unterhalb des Gesimses liegen rundbogige Ädikulafenster (die architektonische Fensterrahmung gleicht einem Häuschen) mit Brüstungselementen und dreieckigen Giebeln. Zu den Seiten hin wird das Erdgeschoss der Fassade mit einer Eckquaderung abgeschlossen. Über den Pilastern liegt das Gebälk auf, welches sich aus einem starken Architrav (auf einer Stützenreihe ruhender Horizontalbalken) sowie einem hervorkragenden Gesims zusammensetzt, das um den optisch hervorgehobenen Mittelteil herumgeführt ist. Das massive Giebelgeschoss stellt ein auffälliges Pendant zur Strenge der klassizistischen Formensprache dar. In der Giebelorganisation beherrschen Wappen, Vasen, mäanderähnliche Voluten und eine Rechtecknische mit Sebastiansfigur die Komposition. Der stark rhythmisierte Giebel wird von einer Grafenkrone vollendet.
Die nördliche Langseite der Schlosskirche ist durch flache Pilaster unterteilt, zwischen denen sich hohe gerahmte Fenster mit elliptischen Ochsenaugen befinden, die in Anlehnung an die Ludwigskirche ihre signifikante Kontur erhielten. Auch der weite, helle Innenraum, der mit einer Flachdecke ausgestattet ist, enthüllt mit seiner durch Doppelpilaster gegliederten Wand die nüchterne Eleganz der frühklassizistischen Manier. Die Altäre hingegen sind barocken Gepräges. Die heutige Sakristei war zur Erbauungszeit das gräfliche Oratorium (Gebetsraum). Dem Architekten Peter Reheis ist es mit der Schlosskirche in Blieskastel gelungen, die Dynamik und den festlichen Charakter barocken Bauens mit klassizistischem Formenrepertoire in Einklang zu bringen.
Seit im Jahr 2000 mit der Gründung des katholischen Kirchenbauvereins St. Sebastian die Aktion „Rettet die Schlosskirche“ ins Leben gerufen wurde, dauern die Sanierungsarbeiten an. Die Außeninstandsetzung war 2010 abgeschlossen. Die Innenraumsanierung mit Restauration der Ausstattung wird voraussichtlich im Jahr 2014 abgeschlossen sein.
Text:
Isabelle Jost
Fotos:
Isabelle Jost
Weiterführende Literatur:
BAULIG, Josef (2012): Die Westfassade der Schlosskirche in Blieskastel. (Hrsg.: Landesdenkmalamt im Ministerium für Umwelt, Energie, Verkehr). Saarbrücken. (= Denkmalpflege im Saarland 5).
BECKER, Bernhard (2009): Die Schlosskirche in Blieskastel – zum „Ansehen der Stadt“. In: Saarpfalz. Blätter für Geschichte und Volkskunde, 2009/1 (= Heft 100), S. 7-25.
BREYER, Benno (2009): Die Fassade der Schlosskirche Blieskastel: Versuch einer Interpretation. In: Saarpfalz. Blätter für Geschichte und Volkskunde, 2009/3 (= Heft 102), S. 49-55.
KATH. PFARRGEMEINDE ST. SEBASTIAN (Hrsg.) (2003): Schlosskirche Blieskastel. Blieskastel.
Die Stephanuskirche in Böckweiler
Die romanische Stephanuskirche im Blieskasteler Stadtteil Böckweiler zählt zu den ältesten Kirchenbauten im Saarland. In ihrer heutigen Erscheinungsform präsentiert sich die kleine Kirche als rechteckiges Langhaus mit Vorraum und Westempore sowie einem Drei-Konchen-Chorturm im Osten (Drei-Konchen-Chor = Altarraum mit kleeblattförmigem Grundriss, bei dem an drei Seiten eines mittigen Quadrats je eine halbrunde Apsis anschließt).
Die Stephanuskirche besitzt eine geschichtsträchtige Vergangenheit. Im Jahre 1149 findet sie ihre erste urkundliche Erwähnung als Benediktiner-Priorat des Klosters Hornbach (südlich von Zweibrücken). Doch bereits zur Zeit der Karolinger bestand an dieser Stelle nachweislich eine Kirche: Auf den Ruinen eines römischen Gehöfts (villa rustica) wurde vermutlich im 9. Jahrhundert eine dreischiffige Basilika errichtet, auf deren Mauerzüge man bei Grabungsarbeiten im Jahre 1908 stieß. Der Kirche schlossen sich im Süden mehrere Klostergebäude an. Die Zuordnung der Anlage zur karolingischen Epoche konnte anhand eines Architekturfragments erfolgen, bei dem es sich um ein Pilasterkapitell oder ein Gesimsstück handeln könnte. Der Grabungsgrundriss der Basilika wurde mittels Steinsetzungen in der Rasenfläche östlich und südlich des heutigen Kirchenbaus sichtbar gemacht.
Die karolingische Kirche wurde wahrscheinlich im 11. Jahrhundert, möglicherweise nach einem Brand, durch einen etwas nach Westen versetzten romanischen Neubau ersetzt, von dem im gegenwärtigen Baubestand noch Teile enthalten sind. Es wird angenommen, dass der frühromanische Bau zunächst als Saalkirche ausgeführt war und erst später nach basilikalem Schema zu einer dreischiffigen Anlage erweitert wurde. Durch Grabungen belegt ist, dass der Chor ursprünglich eine halbrunde Apsis besaß. Diese wurde um die Mitte des 12. Jahrhunderts abgetragen und an ihre Stelle trat der heute noch zu bewundernde Drei-Konchen-Turmchor
Nachdem Ende des 16. Jahrhunderts bereits die Seitenschiffe abgebrochen worden waren, erfuhr der Bau im 17. Jahrhundert eine weitere Reduktion: Der westliche Teil des Langhauses – die ehemals vom Mönchschor durch einen Rundbogen getrennte Laienkirche – wurde entfernt. Die verbliebene einschiffige Anlage mit Chorturm wurde im 18. Jahrhundert barockisiert, was sich insbesondere in einer barocken Fenstergestaltung äußerte. Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Änderung der Fassadengliederung durch Rundbogenfester.
In den Jahren 1949/50 wurde die im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Kirche nach Plänen des Saarbrücker Architekten Rudolf Krüger wiederaufgebaut. Dabei wurde das Langhaus wieder ein wenig nach Westen verlängert, wodurch ein kleiner Vorraum mit danebenliegender Sakristei und die heutige Orgelempore entstanden.
Im Jahre 1533 führte das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, zu dem auch Böckweiler gehörte, die Reformation ein. Dies führte nachfolgend zur Umwidmung der Kirche St. Stephan in eine protestantische Kirche und 1557 zur Aufhebung des einstigen Mutterklosters Hornbach. Bedingt durch die Reunionspolitik Frankreichs wurden Ende des 17. Jahrhunderts wieder katholische Gemeinden im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken zugelassen. Die Kirche in Böckweiler diente fortan für längere Zeit als Simultankirche, die neben Protestanten auch Katholiken für den Gottesdienst zur Verfügung stand.

Die heute wieder rein protestantische Stephanuskirche ist in ihrer aktuellen Substanz ein kompakter, etwas gedrungener Bau mit je drei Fensterachsen sowie je einem Stützpfeiler an den Langhauswänden. Der fast quadratische Chorturm mit Kleeblattkonchen dominiert die Ostansicht. Auch im Inneren der Kirche setzt sich die kolossale Gliederung fort. Kräftige Pfeiler und der Chor mit schwerem Kreuzgewölbe und Bandrippen tragen zur Wirkung der massiven Beschaffenheit bei.
Der Modernität, welche die Stephanuskirche nach ihrer Umgestaltung im 12. Jahrhundert aufwies, wurde aufgrund der ausgebildeten Kleeblattform vorrangig städtische Präsenz nachgesagt. Daher ist die Kirche in Böckweiler, die häufig als „Kleinod“ betitelt wird, ein seltenes Beispiel für diese Erscheinungsform in provinziellen Gegenden und damit ein Sonderfall romanischer Baukunst in unserer ländlichen Umgebung.
Text:
Isabelle Jost
Fotos:
Delf Slotta
Weiterführende Literatur:
BONKHOFF, Bernhard H. (1987): Die Kirchen im Saar-Pfalz-Kreis. Saarbrücken.
DEHIO, Georg (1984): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler – Rheinland-Pfalz und Saarland. 2. Auflage, München. (bearbeitet von Hans Caspary, Wolfgang Götz und Ekkart Klinge, überarbeitet und erweitert von Hans Caspary, Peter Karn und Martin Klewitz).
KÖHLER-SCHOMMER, Isolde (1990): Die Stephanskirche in Blieskastel-Böckweiler. Neuss. (= Rheinische Kunststätten, Heft 356).
SCHENK, Clemens (1953): Die Klosterkirche von Böckweiler. In: Bericht 6 der Staatlichen Denkmalpflege im Saarland – 1945/52. Saarbrücken, S. 57-82.
www.kunstlexikon-saar.de/artikel/-/boeckweiler-stephanskirche (Artikel „Blieskastel, Böckweiler, Protestantische Stephanskirche“ von Isolde Köhler-Schommer).
Die Bergbaukirche St. Hildegard in St. Ingbert
Wie stark der Bergbau hierzulande in das kulturelle Leben eingebunden war, zeigt sich in besonders augenfälliger Weise in der Architektur des St. Ingberter Kirchenbaus St. Hildegard. Infolge der Industrialisierung stiegen die Einwohnerzahlen St. Ingberts sehr rasch, wodurch auch neue Gotteshäuser für die überwiegend katholische Bevölkerung notwendig wurden. Im Mai 1927 wurde die Pfarrei St. Hildegard, benannt nach der Mystikerin Hildegard von Bingen (1098–1179), gegründet. Der erste Spatenstich zum Bau einer eigenen, angemessen großen Pfarrkirche erfolgte im September 1928. Bereits ein Jahr später, am 22. September 1929, wurde die neue Kirche eingeweiht.


Die Entwürfe für das Gotteshaus stammen von Landesbaurat Prof. Albert Boßlet (1880–1957), der zu jener Zeit bereits als Architekt zahlreicher katholischer Kirchen über die Grenzen hinaus bekannt war. Boßlet gilt als Vertreter der Heimatschutzarchitektur, was sich bei St. Hildegard sowohl in der Verwendung regionaltypischer Baumaterialien als auch in architektonischen Bezügen zum Bergbau äußert. In St. Ingbert verband er die neuen technischen Möglichkeiten des Industriezeitalters mit den traditionellen Formen des Kirchenbaus.
Boßlets konstruktivistisches Baukonzept erkennt man bei St. Hildegard an den mit rotbraunen Klinkersteinen umhüllten kubischen Baukörpern, deren Flächigkeit durch kleine stereometrische Elemente und die reliefartige Gestaltung perspektivischer Spitzbogen durchbrochen wird. Die Gliederung der Außenwände erfolgt durch mehrere kleine rechteckige oder dreieckige Fenster, die vertikal übereinander gereiht sind. Die westliche Außenwand und der Chor im Inneren der Kirche weisen mit ihren spitzbogenförmigen Ausschnitten die gleichen motivischen Gestaltungsprinzipien auf.
Die unterschiedliche Länge der Seitenschiffe ist Ausdruck einer asymmetrischen Baukonzeption, wobei wiederkehrende Formen zwischen den weiteren heterogenen Baukörpern (Eingangshalle, Langschiff, Chor, Turm, Turmloggia und Pfarrhaus) vermitteln. Das Langhaus, somit auch das Gestühl, ist axial auf den Altar ausgerichtet – die neuen liturgischen Bestrebungen der Christozentrik wurden an diesem modernen Kirchenbau noch nicht realisiert.
Der hohe, weit geöffnete Innenraum erinnert an den bergmännischen Ausbau einer untertägigen Strecke. Die Nähe zur Bergarbeitersiedlung und zur ehemaligen Grube St. Ingbert unterstützt dieses assoziative Bild. Ausgehend von der horizontalen Unterteilung der Mittelschiffwand verlaufen Eisenbetonrahmen trapezförmig über die flache Decke. Dieses auffallende Motiv im Raumorganismus ist den „Türstockausbauten“ des Bergbaus nachempfunden und bereits zur Bauzeit von St. Hildegard als bewusste Erinnerung an den in St. Ingbert damals noch umgehenden Bergbau verstanden worden.
Auch die verwendeten Baumaterialien, insbesondere der Stahlbeton und der rotbraune Klinker als Verblendmaterial, betonen die Verbundenheit mit dem Bergbau und der Industrie. Zudem unterstreichen die Materialien auch die geometrisch zurückhaltenden Formen, die bei St. Hildegard zu ihrer eigenen Sprache finden.
Die Kirche spiegelt keine unerbittliche Rückbesinnung auf traditionsreiche Baustile wider, wie es an zeitgleich entstandenen Sakralbauten des Historismus häufig in Erscheinung tritt, sondern beweist einen Brückenschlag zwischen funktionalistischer Moderne und Tradition. Darüber hinaus ist St. Hildegard ein gelungenes Bekenntnis zur Region durch kulturelle Adaption.
Text:
Delf Slotta, Isabelle Jost
Fotos:
Delf Slotta
Weiterführende Literatur:
BECKER, Harald (2000): Ein asketisches Gotteshaus aus rotbraunem Industrieklinker mit konsequent schnörkelloser Architektur. In: Saarbrücker Zeitung, Ausgabe St. Ingbert, Nr. 214 vom 14.09.2000, S. L1.
GROH, Marianne (1998): Die Kirche St. Hildegard in St. Ingbert, ihre Entstehungszeit und ihre Schutzheilige. (Hrsg.: Kath. Pfarramt St. Hildegard). St. Ingbert.
KATHOLISCHES PFARRAMT ST. HILDEGARD (Hrsg.) (2002): 75 Jahre Pfarrei St. Hildegard. 1927–2002. St. Ingbert.
SLOTTA, Delf (2006): Mensch und Bergbau – Kultur und Tradition. Das kulturelle Leben an der Saar ist bergmännischen Ursprungs. In: Bergbaumuseum Wurmrevier e.V. (Hrsg.): Anna. Berichte – Mitteilungen – Nachrichten, Nr. 24. Alsdorf, S. 4-20.
SLOTTA, Delf (2011): Der Steinkohlenbergbau an der Saar und sein bauliches Erbe. Technische Denkmäler und architektonische Kostbarkeiten im saarländischen Bergbaurevier. In: RAG Aktiengesellschaft (Hrsg.): Bergmannskalender 2011. Herne und Saarbrücken, S. 68-137.
SLOTTA, Delf (2012): Der Steinkohlenbergbau an der Saar – seine Geschichte und sein bauliches kulturelles Erbe. In: Pohmer, Karlheinz (Hrsg.): Der saarländische Steinkohlenbergbau, Band 2. Dokumentation seiner historischen Bedeutung und seines kulturellen Erbes. Dillingen, S. 120-185. zum Online-Shop
Die Schinkelkirche in Bischmisheim
Die evangelische Pfarrkirche in Bischmisheim ist ein frühklassizistischer Sakralbau, der 1822–1824 von einem der wichtigsten Baumeister des 19. Jahrhunderts, Karl Friedrich Schinkel (1781–1841), geplant wurde, nachdem die Entwürfe des Architekten Johann Adam Knipper verworfen wurden. Karl Friedrich Schinkel war preußischer Oberlandesbaudirektor und prägte das Stadtbild Berlins. In Saarbrücken-Bischmisheim handelt es sich bei der Schinkelschen Ausführung um eine Ideallösung eines evangelischen Sakralbaus.

Der Zentralbau auf oktogonalem Grundriss ist eine perfektionierte Übersetzung des evangelischen Predigtgedankens in die Architektur und ermöglichte die optimale Nutzung der verfügbaren Fläche. Die ungewöhnliche, „moderne“ Raumkonzeption einerseits sowie die Erwartung eines traditionellen Kirchentypus andererseits, riefen zur Erbauungszeit Ablehnung in der Gemeinde hervor. Durch die Verwendung von Bruchsandsteinquadern und die paarweise Anordnung von Rundbogenfenstern in den zweigeschossigen Oktogonseiten, tritt die schlichte Eleganz und harmonische Symmetrie in den Vordergrund. Ferner betont ein umlaufendes Gesimsband als Gliederungselement die Zweigeschossigkeit. Entsprechend der klassizistischen Harmonieästhetik, verzichtete Schinkel auch im Eingangsbereich darauf, das Portal auf ein Segment zu reduzieren. Stattdessen findet man, angeglichen an die gedoppelten Fensterachsen, zwei rundbogig geführte Portale, die dezente Überfangbogen als Dekor aufweisen. Ein flaches Zeltdach mit achteckiger Laterne und Pyramidendach dient als Beschirmung des Bauwerks.
Das Innere wird von einer im gleichseitigen Achteck umlaufenden Empore beherrscht, die von acht korinthischen Säulen getragen wird. Dadurch wird auch der Innenraum in zwei Geschosse separiert. Über der Empore erheben sich weitere acht Säulen, auf denen das Deckengebälk aufliegt. Der Mittelgang führt vom nordöstlichen Eingangsbereich auf den Altar zu, der nicht im Zentrum der Kirche postiert, sondern in Richtung Südwesten gerückt ist. Damit wird dem Zentralbau, ebenso der liturgischen Christozentrik im Sinne Martin Luthers, eine longitudinale Ausrichtung entgegengesetzt. Die Trias der Prinzipalstücke, bestehend aus Altar, Kanzel und Orgel, ist am Ende der Grundrisslinie axial gestaffelt. Dahinter befindet sich die Sakristei, zu der eine rückwärtige Tür führt. Die aufs Zentrum ausgerichtete Anordnung des Gestühls unterstützt ebenfalls den Charakter einer evangelischen Predigtkirche. Um die Prinzipalstücke zu staffeln, war es notwendig, das Gestühl im unteren Bereich des Innenraumes sowie auf der Empore zu unterbrechen.

Über die frühere Farbigkeit des Raumes ist nur wenig bekannt. Es kann in Betracht gezogen werden, dass die jüngste farbige Ausstaffierung, durch Zuhilfenahme der Schinkelschen Entwürfe, den Versuch verrät, eine zeitgemäße Sanierung vorzunehmen und dennoch den ursprünglichen Habitus zu bewahren. Die evangelische Pfarrkirche in Bischmisheim ist im Saarland ein einzigartiges Zeugnis klassizistischer Bautypologie. Im Jahr 2010 wurde am Treppenaufgang zum Kirchhof eine Stele zu Ehren Karl Friedrich Schinkels aufgestellt. Das Ehrenmal wurde im Rahmen der Aktion „Erinnerungsorte“ der Saarländischen Gesellschaft für Kulturpolitik, mit Unterstützung der Landeshauptstadt Saarbrücken, der Stiftung Schinkelkirche und dem Kulturring Bischmisheim, errichtet.
Text:
Isabelle Jost
Fotos:
Helmut Paulus (oberes Foto links), Delf Slotta (oberes Foto rechts), Ulrich Höfer (unteres Foto links), Thomas Kunz (unteres Foto rechts)
Weiterführende Literatur:
KARG, Werner (2006): Aus der Geschichte Neues entwickeln. Begleitheft zur Ausstellung „Vorbilder zur Bischmisheimer Schinkelkirche und die Entwicklung des Zentralbaus in der sakralen Architektur“ im ev. Gemeindehaus in Bischmisheim im August 2006 (anlässlich des 225. Geburtstages von Karl Friedrich Schinkel im Jahre 2006). Saarbrücken-Bischmisheim.
KEGEL, Ute (2011): Schinkels Idealbau einer evangelischen Dorfkirche. Das Oktogon von Bischmisheim. Karlsruhe.
KLEWITZ, Martin (1969): Die ev. Pfarrkirche zu Bischmisheim. München, Berlin. (= Schriftenreihe „Große Baudenkmäler“, Heft 239).
SAAM, Rudolf (1966): Die Schinkelkirche zu Bischmisheim. In: Saarbrücker Hefte, Heft 23, S. 31-51. (Hrsg.: Kultur- und Schulamt der Stadt Saarbrücken).
STIFTUNG SCHINKELKIRCHE BISCHMISHEIM (Hrsg.) (2010): Stiftung Schinkelkirche Bischmisheim. Saarbrücken-Bischmisheim. (Faltblatt).
Die Stiftskirche St. Arnual
Einst schenkte der Merowingerkönig Theudebert II. (595–612) dem Metzer Bischof Arnual das Dorf Merkingen (später St. Arnual) und ermöglichte ihm damit, an dem schon zur Römerzeit bedeutenden Saarübergang einen weiteren Stützpunkt des Bistums zu errichten. Dies erfolgte durch die Gründung eines Kanonikerstiftes als Zentrum der Christianisierung an der mittleren Saar. Im 12. Jahrhundert wurde das Stift dem Schutz der Grafen von Saarbrücken unterstellt und aufgrund konfessioneller Differenzen nach der Reformation aufgelöst.
Die heutige gotische Stiftskirche ruht auf historischem Boden, denn bereits die Römer hatten hier Gebäude errichtet. Der Sakralbau hat durch Erweiterungs- und Umbauarbeiten im 13. Jahrhundert die romanische Vorgängerkirche ersetzt. Um 1395 war die dreischiffige, kreuzrippengewölbte Basilika mit einem in das Langhaus einbezogenen Westturm aus Buntsandsteinquadern fertiggestellt. Ungewöhnlich für eine gotische Kirche ist die ungegliederte Gestaltung der Pfeiler im Inneren. Auf der Südseite sind die Umfassungsmauern des Kreuzganges erhalten.
Im Inneren birgt die Stiftskirche 37 Grabdenkmäler aus dem 15. bis 18. Jahrhundert in Form von Hoch- und Standgrabmälern sowie Epitaphien; weitere Grabmale befinden sich im Bereich des Kreuzganges. In der Chormitte steht die Tumba der Elisabeth von Lothringen, Gräfin von Nassau-Saarbrücken († 1456), die als erstes Mitglied der Fürstenfamilie die Stiftskirche als Grablege wählte. Bis 1647 wurden weitere Angehörige des Adelshauses hier beigesetzt. In der Nordwestecke steht die große, dreifigurige Tumba des Grafen Johann III. († 1472) und seiner beiden Frauen, Johanna von Heinsberg und Elisabeth von Württemberg.
In den Jahren 1982–1994 erfolgte wegen akuter Einsturzgefahr eine große Sanierung des Baudenkmals. Bei der Erneuerung der Bodenplatten im Mai 1991 wurde in der Nordwestecke der Vorhalle, dicht unter dem alten Steinplattenbelag, eine Madonnenstatue mit zum Teil erhaltener farbiger Fassung gefunden. Archäologische Grabungen im Kreuzgangbereich fanden in den Jahren 1996–2004 statt.
Text:
Tanja Kaiser
Foto:
Sarah Halbfeld
Weiterführende Literatur:
HERRMANN, Hans-Walter (Hrsg.) (1998): Die Stiftskirche St. Arnual in Saarbrücken. (= Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte, Band 130).
HERRMANN, Hans-Walter / SELMER, Jan (Hrsg.) (2007): Leben und Sterben in einem mittelalterlichen Kollegiatstift. Archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen im ehemaligen Stift St. Arnual in Saarbrücken. Saarbrücken. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Band 43). zum Online-Shop
MARSCHALL, Hans-Günther (2001): Stiftskirche St. Arnual. Saarbrücken.
Die Ludwigskirche in Alt-Saarbrücken
Die Ludwigskirche als lutherische Pfarr- und Hofkirche wurde 1762–1775 von Friedrich Joachim Stengel erbaut, begonnen unter Fürst Wilhelm Heinrich, vollendet unter dessen Sohn, Fürst Ludwig. 1944 weitgehend zerstört, erfolgte der Wiederaufbau ab 1947, im Innenausbau zunächst in zeitgenössischer Ausprägung, dann ab 1966 bis 1982 als Rekonstruktion des spätbarocken Innenraums. Dieses Meisterwerk des protestantischen Kirchenbaus wurde mit der umgebenden Platzanlage als ein geschlossenes Gesamtkunstwerk in Anlehnung an französische „Place Royale“-Vorbilder konzipiert, jedoch steht im Zentrum der Anlage nicht das Standbild des absolutistischen Herrschers, sondern, hier transzendiert, das Gotteshaus.

Die Fassaden werden durch ionische Säulen und Pilaster gegliedert. Reiche Fensterformen bestimmen die weitgehend aufgelösten Wandflächen: querovale Öffnungen in der Sockelzone, hohe Rundbogenfenster darüber, bekrönt von hochovalen oder Vierpass-Fenstern, beide durch Rokoko-Ornamentik verbunden. In den abgeschrägten Polygonseiten von Ost- und Westflügel stehen in Wandnischen die Figuren der vier Evangelisten. Die Dachzone ist hinter einer umlaufenden Balustrade mit reichem biblischem Figurenschmuck zurückgesetzt. Dem Westarm vorgestellt ist der im Grundriss quadratische Turm, dessen Obergeschoss als ein mit einer Balustrade abgeschlossenes Oktogon ausgebildet ist.
In der Raumkonzeption besteht eine Synthese aus protestantischem Breitsaaltypus und einem Zentralbau in der Grundrissform des griechischen Kreuzes. In allen Kreuzarmen sind Emporen ausgebildet, die im Osten enthielt ursprünglich die Fürstenloge. Das Innere ist als Festsaal gestaltet. Im Achsen-Schnittpunkt des Baues und zugleich im Zentrum der gesamten Platzanlage liegt das symbolische Gottesauge im Strahlenkranz.
Städtebauliche Achsbezüge bestanden über die gerade von Osten zuführende Wilhelm-Heinrich-Straße zur evangelischen Kirche nach St. Johann, zum Schloss sowie zum Gartenschlösschen der Ludwigsberganlage. Die Qualität der Arbeiten ist überragend und kann als Höhepunkt barocken Bauens verstanden werden.
Text:
Tanja Kaiser, Emanuel Roth
Fotos:
Sarah Halbfeld
Weiterführende Literatur:
HEYDT, Horst (1993): Ludwigsplatz und Ludwigskirche zu Alt-Saarbrücken. Höhepunkt und Abschluss des evangelischen Kirchenbaus im Spätbarock. Saarbrücken-Dudweiler.
OBERHAUSER, Fred (1999): Das Saarland. Kunst, Kultur und Geschichte im Dreiländereck zwischen Blies, Saar und Mosel. Köln. (= DuMont Kunst-Reiseführer).
Die Basilika St. Johann in Saarbrücken
An der Stelle der alten St. Johanner Kapelle wurde 1754–1758 die erste katholische Pfarrkirche nach der Reformation errichtet. Die Planung oblag dem fürstlichen Baumeister Friedrich Joachim Stengel (1694–1787), der seit 1735 in den Diensten Fürst Wilhelm Heinrichs tätig war. Die Gelder zur Förderung des Neubaus fielen großzügig aus. Neben Wilhelm Heinrich beteiligten sich auch König Ludwig XV. von Frankreich, die Königin von Polen (zugleich Kurfürstin von Sachsen), der Abt von Wadgassen sowie einige Reichsstädte an den Baukosten. Die Basilika St. Johann war Stengels fünfter Kirchenbau, der sich als einzige katholische Kirche in eine Reihe protestantischer Kirchen einfügt. Sie befindet sich im Mittelpunkt des Viertels von St. Johann, an der heutigen Ecke Türkenstraße/Katholisch-Kirch-Straße. 1975 konnte der Pfarrkirche der Rang einer „basilica minor“ zuerkannt werden.
Die Basilika St. Johann ist dem Bautyp nach eine Saalkirche in gemäßigt barockem Stil. Bereits hier lassen sich die Tendenzen erkennen, die etwa ein Jahrzehnt später an der Saarbrücker Ludwigskirche zur ausgereiften Anwendung kamen. Die Langsaalkirche wird im Westjoch von einem Turm überragt und im Osten von einem gerade schließenden Chor begrenzt, dem 1907 ein neobarocker oktogonaler Anbau angeschlossen wurde, der als Sakristei der Kirche dient.
Der Eingangsbereich der Westfassade wird von einem reich ornamentierten Tympanon (Schmuckfläche im Bogenfeld eines Portals) mit Relief beherrscht. Die Gestaltung des Bronzeportals mit dem Eingangsbereich übernahm der Saarbrücker Künstler und Bildhauer Ernst Alt. Darüber liegt ein hochovales Fenster, umgeben von schmückendem Dekor. Gedoppelte Pilaster (flache Wandpfeiler mit Basis und Kapitell) auf hohem Postament (Sockel) flankieren die Portalzone. Das quaderförmige, mit Rundbogenfenstern in den Seitenachsen ausgestattete untere Geschoss schließt mit einem kräftigen Gebälk ab. Der Übergang zu den Turmgeschossen wird durch eine Attika (brüstungsartige Aufmauerung über dem Abschlussgesims) und durch sich in die Fuge einbettende Anschwünge hergestellt – ein Rückgriff des Baumeisters auf die Fassadenarchitektur des römischen Barock. Über der schmiedeeisernen Ziergitterbesetzung erhebt sich das obere Turmgeschoss in ähnlicher Aufgliederung, allerdings mit abgeschrägten Kanten. Es wird bekrönt von einem geschieferten Helm mit Laterne und Haube.
Die harmonisch strukturierten Langseiten sind vierachsig, wobei der zweiachsige Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel von je einer Fensterachse begleitet wird. Die strenge Flächigkeit gegenüb
er den klaren vertikalen Elementen des Außenbaus kontrastiert ausgewogen mit der festlich anmutenden Ornamentik der Fenster.
Der helle Innenraum mit prächtiger Stuckdekoration (Rocaille) und zarter Profilierung besitzt eine Flachdecke mit Voute (Deckenkehle) und Spiegel.
Zwar blieb die Pfarrkirche von den Bombenangriffen im Jahr 1944 größtenteils verschont, doch der Innenraum der Kirche wird aufgrund vieler Instandsetzungsmaßnahmen dem Originalzustand nicht mehr gerecht. Seit 1975 wurde das Innere saniert und zum Teil rekonstruiert. Nach den Renovierungsarbeiten wurde die Orgelanlage dem Prospekt der Ludwigskirche nachempfunden.
Text:
Isabelle Jost
Fotos:
Isabelle Jost
Weiterführende Literatur:
GÖTZ, Wolfgang (1995): Die Basilika St. Johann in Saarbrücken. Der einzige katholische Kirchenbau des Barockbaumeisters Friedrich Joachim Stengel. (Hrsg.: Landesinstitut für Pädagogik und Medien). Saarbrücken.
KÖLLING, Heinz (1998): Kleinod im Herzen der Stadt: Die Basilika St. Johann war Baumeister Stengels erstes Gotteshaus. In: Saarbrücker Zeitung, Ausgabe Saarbrücken-Mitte, Nr. 277 vom 28./29.11.1998, S. L11.
PRINZ, Matthias (1980): Saarbrücken – Basilika St. Johann. Ottobeuren.
SCHMEER, Walter (1977): Barockresidenzstadt Saarbrücken. (Hrsg.: Landeszentrale für Politische Bildung und Technische Unterrichtsmittel). Saarbrücken, S. 32-36.
Die Pfarrkirche St. Albert in Saarbrücken
Im Saarbrücker Wohnviertel Rodenhof wurde in den Jahren 1952–1954 auf den Fundamenten des durch den Krieg zerstörten Vorgängerbaus (1939–1944) die katholische Pfarrkirche St. Albert errichtet. Als Architekten wurden Gottfried und Dominikus Böhm berufen. Dominikus Böhm, der Vater Gottfried Böhms, hatte bereits 1945 einen Entwurf ausgearbeitet, der jedoch keine Zustimmung fand. Gottfried Böhm, der durch zahlreiche Bauten der Nachkriegszeit (darunter vorwiegend Gotteshäuser) bekannt wurde, erhielt daraufhin den Bauauftrag, sein erster Auftrag im Saarland. Hier zeigte sich sein innovativer Gestaltungssinn, der ihn auch für den Um- und Erweiterungsbau der Liebfrauenkirche in Püttlingen oder die Umbauten des Saarbrücker Schlosses in den 1980er-Jahren qualifizierte.
1950 legte Böhm sein Baukonzept für St. Albert vor, das von der Regierung des Saarlandes protegiert wurde. Im Mai 1952 erfolgte die Grundsteinlegung, für die Steine der Vorgängerkirche verwendet wurden – ein symbolischer Akt der Erneuerung und Hoffnung.
Die Pfarrkirche St. Albert ist ein Konglomerat aus mehreren einzelnen Elementen. Der Neubau rief aufgrund seiner unkonventionellen Modernität sowohl Ablehnung als auch Faszination hervor. Auf einem Eckgrundstück ragt das auffallende Äußere des Baus empor, womit sich die Architektur deutlich von der Umgebung des Wohngebiets absetzt. Die Eingangshalle, das Paradies, ist eine geschlossene Pergola mit gewellter Decke. Sie ist sowohl mit Kirchenschiff und Taufkapelle als auch mit einem kleinen Rundbau zwischen den Streben des Campanile (freistehender Glockenturm) verbunden. An die Komposition schließen sich auch das Pfarrhaus und die Gemeinderäume an. Die liturgische Bewegung hat bei St. Albert deutliche Spuren hinterlassen, wie der im Grundriss abzulesende Zentralraumgedanke zeigt.

Dem Architekten gelang es, durch zwei unterschiedlich große Ellipsen zu einer ovalen Geschlossenheit zu finden und dennoch eine axiale Ausrichtung zum Altar hin zu erreichen. Spätexpressionistische Strukturen aufgreifend und dem lateinischen Leitsatz „Omne vivum ex ovo“ („Alles Leben kommt aus dem Ei“) folgend, basieren die elliptischen Formen auf der Kontur des Eies. Aus der Interpretation und Übertragung dieses Gedankens in ein architektonisches Konzept entstand die organische Grundrissform von St. Albert.
Der Kirchenbau besitzt 14 umstehende Betonstrebebögen, die als Bindeglied zwischen den Außenwänden des Hauptraumes und dem Tambour mit Stahlbetonkuppel vermitteln (Tambour = zylindrischer, ovaler oder polygonaler, meist von Lichtöffnungen durchbrochener Unterbau einer Kuppel über der Dachzone eines Gebäudes). Auf die statische Funktion tragender Außenwände konnte dadurch verzichtet werden. Die roten Ziegelmauern dienen somit lediglich als schützender Mantel – eine Rezeption statischer Gesetzmäßigkeiten der Gotik.

Der Innenraum wird dank der gläsernen Tambourkuppel mit Licht durchströmt. Die Schalendecke wird im Innenraum von vierzehn schlanken Stahlsäulen gestützt, die konzentrisch die Altarinsel einschließen. Die Dynamik der organischen Architektur, die von den Wellenlinien des Paradieses ausgeht und sich von der Taufkapelle bis zum Altar ausbreitet, ist metaphorisch als Wellenbewegung des Wassers und somit als fortschreitender Reinigungsprozess zu verstehen.
Text:
Isabelle Jost
Fotos:
Marlen Dittmann (oberes Foto), Isabelle Jost (übrige Fotos)
Weiterführende Literatur:
DITTMANN, Marlen (2011): Die Baukultur im Saarland 1945–2010. Saarbrücken (= Saarland-Hefte 4). zum Online-Shop
KATHOLISCHES PFARRAMT SAARBRÜCKEN (Hrsg.) (1979): Kirche St. Albert 1954–79. 25 Jahre. Saarbrücken.
MASSING, Heinrich (1963): St. Albert. 25 Jahre Pfarrgemeinde in Saarbrücken. (Hrsg.: Kath. Pfarramt St. Albert). Saarbrücken.
MÜLLER, Bastian / MARSCHALL, Kristine (2011): Architektur der Nachkriegszeit im Saarland. (Hrsg.: Landesdenkmalamt im Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr). Saarbrücken. (= Denkmalpflege im Saarland 4).
Die Pfarrkirche St. Peter in Merzig
Die katholische Pfarrkirche St. Peter in Merzig ist eines der wenigen Beispiele romanischer Baukunst im Saarland, das uns erhalten geblieben ist. Im Jahr 1182 übergab Erzbischof Arnold von Trier die Propstei Merzig der Prämonstratenserabtei Wadgassen. Anfang des 13. Jahrhunderts begannen die Prämonstratensermönche mit dem Umbau des ehemaligen Merziger Augustinerchorherrenklosters. Die exakte Datierung der Um- und Neubaumaßnahmen ist allerdings nicht urkundlich belegt. Das Patrozinium des heiligen Petrus wurde auf den Nachfolgebau übertragen. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass das Patronat in der Merziger Kirchengeschichte auf die Zeit der Franken zurückgehen könnte.
Bautypologisch betrachtet stellt sich die Frage, warum der Bau häufig erst ins frühe 13. Jahrhundert datiert wird, obwohl der Konvent bereits 1182 übernommen wurde und die Ornamentformen in Trier schon längere Zeit Anwendung fanden. Diese Umstände sind womöglich auf den bereits vorhandenen Klosterbau der Augustiner zurückzuführen, der keinen unmittelbaren Handlungsbedarf für einen Neubau gab.
St. Peter ist nach über 800 Jahren das Resultat verschiedener Bauphasen, bedingt durch Zerstörung, Verfall und Wiederaufbau. Die Pfarrkirche ist in ihrer heutigen Erscheinungsform eine dreischiffig angelegte Basilika mit Querschiff, woraus die Kreuzform des Grundrisses und die Vierung (Raumteil, der aus der Durchdringung von Langhaus und Querschiff entsteht) hervorgehen. Des Weiteren besitzt sie im Osten einen querrechteckigen Chor, eine halbrund schließende Apsis mit flankierenden Chortürmen und daran anschließende Nebenapsiden. Die Ostansicht besitzt die aufwendigste Bauplastik, die rheinische und lothringische Einflüsse erahnen lässt und Verwandtschaft zur Benediktinerabtei Maria Laach zeigt. Dekorative Elemente wie Lisenen (senkrecht verlaufende Mauerstreifen ohne Basis und Kapitell) und Blendbänder, Gurt- und Kranzgesimse sowie die vielfältige Gestaltung der Fenster dominieren die Ansicht.
Im Westen, dem Langhaus vorgesetzt, ragt der Glockenturm (18. Jahrhundert) mit schieferner Helmbesetzung auf, der in den beiden oberen Geschossen Schallarkaden aufweist. Seit der jüngsten Restaurierung sind dem Glockenturm die Marienkapelle und eine neue Portalvorhalle angegliedert.

Bei dem ursprünglichen romanischen Bau handelte es sich um eine flachgedeckte Pfeilerbasilika. Die Travéen (Einteilung in Joche) mit Kreuzgewölbe wurden erst in spätgotischer Zeit, zu Beginn des 16. Jahrhunderts, nach einem Brand eingezogen. Je fünf massive Säulen und kräftige Vierungspfeiler tragen die Hochschiffwand. Obergadenfenster (Fenster in der oberen Wandfläche des Mittelschiffs) sorgen bei der intransparenten Bauweise für den notwendigen Lichteinfall.
Nach weitgehender Zerstörung im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts wurde St. Peter mit entlehnten, zeitgemäßen Formen des Mittelalters wieder aufgebaut. Die Innenausstattung birgt zahlreiche barocke Kunstgegenstände (um 1700), daneben weist sie historisierenden Dekor und Kolorit des 19. Jahrhunderts in Anlehnung an den romanischen Duktus auf.
Text:
Isabelle Jost
Fotos:
Delf Slotta
Weiterführende Literatur:
FONTAINE, Arthur (2003): St. Peter Merzig. Eine Gründung des frühen 13. Jahrhunderts. Merzig.
KIRSCH, Karl (1971): Die Baugeschichte der katholischen Pfarrkirche St. Peter in Merzig. In: Diwersy, Alfred / Schreiner, Heribert (Hrsg.): Merzig – Bild einer Stadt an der Saar. Merzig, S. 45-76.
KLEWITZ, Martin (1972): St. Peter in Merzig. Neuss. (= Rheinische Kunststätten, Heft 7).
MARSCHALL, Hans-Günter (1988): Die Pfarrkirche St. Peter in Merzig. Saarbrücken.
SCHREIBER, Rupert (2002): Peterskirche und Kernstadt Merzig (Saarland). Saarbrücken. (Klappkarte [Fiche] zum internationalen „Tag des offenen Denkmals“ 2002). Datei zum Download (PDF)



